Die über Jahre durch Zentralbankgeld und Niedrigzins aufgeblähten Kapitalmärkte sind weiterhin von hoher Volatilität und Nervosität geprägt. Hauptauslöser der jüngsten Kursauschläge ist neben China immer noch der niedrige Ölpreis. Der Preis für Öl der Sorte WTI hat sich zwar von seinem Januar-Tiefststand von 27,57 US Dollar pro Barrel erholt, jedoch scheiden sich die Geister, ob es nicht doch noch einmal weiter abwärtsgeht. Wir lernen gerade, dass der mächtigste Gegner der Ölstaaten die anderen Ölstaaten sind: Kaum haben sich Saudi-Arabien, Russland, Venezuela und Katar geeinigt, angesichts des niedrigen Preises die Öl-Fördermengen zu stabilisieren, da melden sich Iran und Irak zu Wort.

>Das Aushalten von Volatilität ist der unabdingbare Preis, um langfristig von der überlegenen Rendite der Anlageklasse Aktien profitieren zu können. Letztlich werden immer mehr konservative Anleger nicht umhin kommen, den langfristigen Teil ihrer Anlagen in Aktien zu investieren. Natürlich ist Qualität hier oberstes Gebot, dicht gefolgt von starken Nerven.<

Beide wollen ihre Öl-Fördermengen deutlich steigern und insbesondere der Iran drängt mit angedrohten plus 100 Prozent Förderquote nach dem Ende der Sanktionen aggressiv zurück auf den internationalen Markt, obwohl das einem ökonomischen Selbstmordanschlag gleichkäme. Die Folgen wären für insolvenzbedrohte Nationen wie Venezuela, Russland, Irak oder Nigeria ruinös. Der «Unsicherheitsfaktor» Ölpreis wird also wohl noch eine ganze Weile für Volatilität an den Finanzmärkten sorgen. Die Profiteure der unruhig gewordenen Welt sind die Besitzer von Gold. Konträr zur Entwicklung an den Aktienmärkten, stieg der Preis des Edelmetalls seit Jahresanfang deutlich an. Weltweit erhöhen die Fondsmanager und die Notenbanken in Zeiten ökonomischer und geopolitischer Unsicherheit ihre Goldbestände. Gold ist geronnene Zukunftsangst und sollte als Vermögensversicherungen für Extrem-Szenarien in keinem Anlegerportfolio fehlen. Bleibt die Frage, wie es an den Aktienbörsen weitergeht. Ist die derzeitige Kurskorrektur eine kurzfristige Schwächephase, oder münden wir in einen langanhaltenden Bärenmarkt mit weltwirtschaftlichem Abschwung ein? Weltweit geht bei vielen großen und kleinen Investoren die Angst um. Sie fragen sich, wie es nun tatsächlich um die chinesische Wirtschaft steht. Wächst sie nur ein wenig langsamer oder offenbaren sich dort demnächst wirklich große Probleme? Die Anleger sorgen sich auch um den wirtschaftlichen Zustand Europas und der USA. Hat Janet Yellen die Zinswende zu früh eingeleitet?

Wird sie auch bei der nächsten Fed-Sitzung Mitte März die Zügel weiter anziehen, oder macht sie vielleicht die jüngste Zinsanhebung gar wieder rückgängig? Was die nächsten Schritte der EZB angeht, haben Investoren demgegenüber größere Gewissheit. EZB-Präsident Mario Draghi hat auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos angekündigt, dass die EZB alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel unbegrenzt einsetzen wird, um die Inflation in der Eurozone auf die gewünschten 2 % zu heben. Das heißt im Klartext: mehr Anleihenkäufe, mehr Gelddrucken, weiterer Niedrig- oder Negativzins. Das bedeutet aber auch, dass wir auf lange Sicht keine ernsthaften Alternativen zur Anlage in Aktien haben werden. Möglicherweise ist die hohe Nervosität und Volatilität lediglich eine Konsequenz der Zentralbankinterventionen der vergangenen Jahre? Rührt die negative Stimmung an den Märkten vielleicht daher, dass ein Großteil der eigentlich konservativen Anleger zu risikoreich investiert hat, um in dem von den Zentralbanken herbeigeführten Niedrigzinsumfeld wenigstens die Kaufkraft real zu erhalten? Das Aushalten von Schwankungen muss man trainieren und mit der Zeit werden auch die Aktien-Neulinge erkennen, dass Schwankung nicht gleich Risiko ist und dass jeder Baisse wieder ein Kursaufschwung folgt. Das Aushalten von Volatilität ist der unabdingbare Preis, um langfristig von der überlegenen Rendite der Anlageklasse Aktien profitieren zu können. Letztlich werden immer mehr konservative Anleger nicht umhin kommen, den langfristigen Teil ihrer Anlagen in Aktien zu investieren. Natürlich ist Qualität hier oberstes Gebot, dicht gefolgt von starken Nerven.